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Mehrsprachigkeit verstehen und sprachliche Auffälligkeiten richtig einordnen

Mehrsprachigkeit ist eine wertvolle Ressource und keine Sprachstörung. Kinder können mehrere Sprachen erfolgreich erwerben, auch wenn sich ihre sprachlichen Fähigkeiten nicht in jeder Sprache gleich entwickeln.

Wenn Unsicherheiten entstehen, ist eine differenzierte fachliche Einschätzung wichtig. Dabei betrachten wir nicht nur das Deutsche, sondern die gesamte sprachliche Lebenswelt des Kindes.

Illustration mit Begrüßungen in verschiedenen Sprachen und miteinander verbundenen Sprechblasen

Mehrsprachigkeit ist keine Störung

Ein Kind entwickelt nicht automatisch eine Sprachstörung, weil es mit zwei oder mehr Sprachen aufwächst. Auch das Mischen von Sprachen, unterschiedlich große Wortschätze oder zeitweise stärkere Fähigkeiten in einer Sprache können Teil einer normalen mehrsprachigen Entwicklung sein.

Entscheidend ist, ob sich grundlegende sprachliche Fähigkeiten über die verwendeten Sprachen hinweg entwickeln und ob das Kind im Alltag zunehmend erfolgreich kommunizieren kann.

Warum die Beurteilung anspruchsvoller sein kann

Bei mehrsprachigen Kindern reicht es nicht aus, ausschließlich die deutsche Sprache zu betrachten. Ein Wort, das im Deutschen fehlt, kann in einer anderen Sprache vorhanden sein. Auch Grammatik, Aussprache und Satzbau entwickeln sich je nach Kontaktmenge und Nutzung unterschiedlich.

Für eine sinnvolle Einordnung werden unter anderem berücksichtigt:

welche Sprachen das Kind hört und spricht,

seit wann und wie häufig es Kontakt zu den Sprachen hat,

welche Sprache mit welchen Personen verwendet wird,

wie sicher sich Eltern in den jeweiligen Sprachen ausdrücken,

wie sich Sprachverständnis und Kommunikation entwickeln,

ob Auffälligkeiten in mehreren Sprachen auftreten,

welche weiteren Entwicklungs- oder Hörfaktoren eine Rolle spielen.

Illustration eines Zuhauses mit mehreren Sprechblasen als Symbol für unterschiedliche Familiensprachen

Sollten Eltern zu Hause nur Deutsch sprechen?

In der Regel nein. Eltern sollten mit ihrem Kind in den Sprachen sprechen, in denen sie sich sicher, differenziert und natürlich ausdrücken können.

Eine gut entwickelte Familiensprache unterstützt Beziehungen, Wissen, Gefühle und Kommunikation. Sie kann außerdem eine wichtige Grundlage für den Erwerb weiterer Sprachen sein.

Eine künstliche Umstellung auf eine Sprache, die Eltern selbst weniger sicher beherrschen, führt nicht automatisch zu einer besseren Sprachentwicklung.

Woran kann eine echte Sprachstörung erkennbar werden?

Eine Sprachstörung kann unabhängig von Mehrsprachigkeit auftreten. Hinweise können sich beispielsweise zeigen bei:

deutlich eingeschränktem Sprachverständnis,

sehr langsamem Wortschatzaufbau,

anhaltenden Schwierigkeiten mit Satzbildung und Grammatik,

erheblichen Problemen, Gedanken sprachlich auszudrücken,

Auffälligkeiten in mehreren Sprachen,

deutlicher Frustration in Kommunikationssituationen,

zusätzlichen Auffälligkeiten in Aussprache oder Interaktion.

Diese Beobachtungen müssen immer im Zusammenhang mit Alter, Sprachkontakt und Gesamtentwicklung betrachtet werden.

Beratung auf Türkisch

Bei Bedarf können Beratungsgespräche auf Türkisch stattfinden. Das kann Eltern dabei helfen, Fragen genauer zu stellen, Beobachtungen differenziert zu beschreiben und Empfehlungen sicher zu verstehen.

Englisch steht unterstützend für die Kommunikation mit Eltern zur Verfügung, ist jedoch keine reguläre Therapiesprache der Praxis.

Therapie auf Deutsch oder Türkisch

Ob eine Therapie auf Deutsch, Türkisch oder mit gezielter Berücksichtigung beider Sprachen gestaltet wird, hängt vom individuellen Bedarf ab.

Dabei spielen unter anderem eine Rolle:

Eine türkischsprachige Therapie ist nicht automatisch in jedem Fall erforderlich oder sinnvoll. Die Entscheidung erfolgt fachlich und individuell.

  • das konkrete Therapieziel,
  • die sprachlichen Fähigkeiten des Kindes,
  • die Alltagssprache,
  • das familiäre Umfeld,
  • die schulische oder vorschulische Situation,
  • die fachliche Eignung der jeweiligen Therapiesprache.

Zusammenarbeit mit Eltern, Kitas und Schulen

Mehrsprachige Entwicklung findet in unterschiedlichen Lebensbereichen statt. Deshalb kann es hilfreich sein, Beobachtungen aus Familie, Kita oder Schule zusammenzuführen.

Die Zusammenarbeit kann dazu beitragen:

sprachliche Anforderungen besser zu verstehen,

Stärken in mehreren Sprachen sichtbar zu machen,

Missverständnisse über Mehrsprachigkeit zu vermeiden,

alltagstaugliche Unterstützungswege zu entwickeln,

Therapieziele mit dem Lebensumfeld abzustimmen.

Ein Austausch mit Einrichtungen erfolgt nur im passenden Rahmen und mit den erforderlichen Einwilligungen.

Häufige Irrtümer über Mehrsprachigkeit

„Zwei Sprachen überfordern ein Kind.“

Mehrere Sprachen sind grundsätzlich keine Überforderung. Wichtig sind regelmäßiger, natürlicher Sprachkontakt und verlässliche Kommunikationsbeziehungen.

„Wenn ein Kind Deutsch lernen soll, muss die Familiensprache aufgegeben werden.“

Nein. Eine stabile Familiensprache kann Kommunikation und Entwicklung unterstützen.

„Sprachmischungen zeigen, dass ein Kind verwirrt ist.“

Sprachmischungen können ein normaler Bestandteil mehrsprachiger Kommunikation sein.

„Jede sprachliche Verzögerung kommt von der Mehrsprachigkeit.“

Nein. Sprachliche Auffälligkeiten müssen unabhängig von der Anzahl der Sprachen fachlich eingeordnet werden.

Private Mehrsprachigkeits-beratung

Familien können eine private Beratung vereinbaren, wenn sie eine fachliche Orientierung zu ihrer sprachlichen Situation wünschen.

Persönlich oder online

45 Minuten

90 €

  • in der Praxis oder online
  • Terminreservierung über WhatsApp

Telefonisch

45 Minuten

70 €

  • Terminreservierung über WhatsApp

Die Beratungsangebote sind Selbstzahlerleistungen und werden nicht über die Krankenkasse abgerechnet. Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer erhoben. Die Beratung ersetzt keine ärztliche Diagnostik und keine erforderliche logopädische Befunderhebung.

Mögliche Themen:

Sprachwahl in der Familie,

Unsicherheit bei spätem Sprechbeginn,

Vorbereitung auf Kita oder Schule,

Beobachtungen in mehreren Sprachen,

sinnvolle Unterstützung im Alltag,

Einordnung möglicher nächster Schritte.

FAQ

Sie haben Fragen zur mehrsprachigen Entwicklung Ihres Kindes?

Schreiben Sie uns über WhatsApp kurz, welche Sprachen Ihr Kind hört und spricht, wie alt es ist und was Ihnen auffällt.

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